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Call for Papers Cosmopolitanism

 

Der Kosmopolitismus erfreut sich derzeit, nach jahrzehntelangen durchaus kritischen Betrachtungen, einer gesteigerten Aufmerksamkeit und rangiert mittlerweile als veritable Gegenwehr gegen weltweite erstarkende Nationalismen verschiedener Couleur und selbstbewußt im Gewand des Bürgerlichen auftretende neuerliche Rechtsradikalismen und extreme fremdenfeindliche Positionen. Welche Gedanken von Hannah Arendt lassen sich in die neue Kosmopolitismus-Debatte einbringen?

Vor allem im Spätwerk reflektiert Arendt im Anschluß an Kants wegweisende Überlegungen zu weltumspannenden Völkerbünden in seiner Schrift „Zum ewigen Frieden“ die Bedingungen und Möglichkeiten einer Weltbürgerlichkeit, denen der Königsberger Philosoph vorausschauend eine strikte Absage an jede Idee eines Weltstaates erteilt, weil ein solcher per se auf einen Totalitarismus hinauslaufen würde. Die angebotene und angemahnte Weltbürgerlichkeit scheint stattdessen Menschen in ihrer je eigenen Ganzheit als plurale aufzurufen. In besonderer Weise greift das Konzept des Weltbürgerlichen offenbar immer schon über das bloß konkret politisch Gegebene hinaus und ist doch darauf bezogen und teilweise immer wieder auch darauf angewiesen. Bei allem Zuspruch zum Gedanken der Weltbürgerlichkeit bei Arendt finden sich daher gleichzeitig über ihr Werk versprengt auch immer wieder kritische Reflexionen zu den Grenzen des Weltbürgerkonzepts.

So könnte es gelten, Arendt im Kontext zu bedenken. Dies bezieht sich zum einen auf alle anderen, ebenfalls von ihr behandelten Elemente, die mit dem Kosmopolitismus in Verbindung stehen – wie etwa das ganze Panorama der Weltbegriffe von Welthaftig- bis Weltlosigkeit, die Verhältnisse von Bürger, Staat und Weltbürgertum, von Pluralität und Kosmopolitismus, von Migration, Fremdheit, Staatenlosigkeit und Weltbürgerlichkeit, Menschenwürde, Menschenrechten und Weltbürgertum oder das Verhältnis von Demokratie, souveränen Nationalstaaten, Globalisierung, Universalismus, Postkolonialismus und Kosmopolitismus. Und zum anderen betrifft es aber natürlich ebenso die Relation zu den Ansätzen ihrer eigenen Zeitgenossen oder in aktueller Perspektive die Frage nach Arendts Position im Verhältnis zu gegenwärtigen Ausführungen zur Thematik: Wie halten es etwa Simone Weil, Jaspers, Heidegger, Merleau-Ponty, Sartre, Simone de Beauvoir oder z.B. Balibar, Mbmebe, Benhabib, Zygmunt Baumann, Nathan Sznaider, Chantal Mouffe und andere mit dem Kosmopolitismus und welche Spur oder vielleicht sogar Signatur Arendts läßt sich finden?

In einer Welt, die wir – ob der leibhaftig erfahrenen Probleme (Klimawandel, Ressourcenknappheit, Pandemien u.v.m., siehe auch die vorangegangene Ausgabe von HAnet „Natur und Politik“) – immer stärker als gemeinsam geteilte, aber daher nicht unbedingt gerecht aufgeteilte, wahrnehmen, bedarf es über das freundliche Bildungsideal eines polyglotten Bürgers hinaus der Revisionen und nachhaltigen Entwürfe dieses bis in die Antike zurückreichenden bestechenden philosophischen Gedankens des Weltbürgerlichen, auf den wir u.U. auch in einem arendtschen Sinne verstärkt zurückgreifen können, um gemeinsam miteinander zu leben.

„Mein Urteil wird umso repräsentativer sein, je mehr Standpunkte anderer Leute ich mir in meinem Leben vergegenwärtige und also bei meinem Urteil berücksichtigen kann. Die Gültigkeit solcher Urteile wäre weder objektiv und universal, noch subjektiv, von individuellen Einfällen abhängig, sondern intersubjektiv oder repräsentativ.“ (Hannah Arendt: Über das Böse. S. 143.) Was bedeutet dies für den Kosmopolitismus?

Dieser Aufruf lädt alle Interessierten herzlich dazu ein, Exposées zur Thematik bis zum 1.  September 2021 (ca. 500 Wörter) einzureichen, anschließend nach Rücksprache vollständige Texte bis Dezember 2021.

Kontakt: wheuer@zedat.fu-berlin.de

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Veröffentlicht: 2021-07-26 Weiter…
 

Wir gratulieren

 

Jerome Kohn (executor of the Hannah Arendt Bluecher Literary Trust),

der am 28. Juni 2021 neunzig Jahre alt wird 

Lieber Jerry, wir blicken zurück auf eine gemeinsame Zeit, die vor mehr als zwanzig Jahren begann. Damals, 1998, als erste Überlegungen zur Gründung eines Hannah Arendt Newsletter ausgetauscht wurden, schrieben Sie in einer Mail: „Personally, of course, I will do anything I can to be of help with the newsletter.“ Und Sie haben Wort gehalten! Wenn immer wir vom Newsletter, der ab 2013 als Internet-Organ Hannah Arendt.net. Zeitschrift für politisches Denken / Journal of Political Thought erscheint, ein Anliegen hatten, konnten wir uns mit Erfolg an Sie wenden – meist wegen Abdruckgenehmigungen für Dokumente aus Arendts veröffentlichtem und unveröffentlichtem Werk. Wir sind darüber hinaus stolz auf die Beiträge, die wir von Ihnen erhielten. Der erste stammt aus dem Jahr 1999. Es war die Rede „Hannah Arendt and the Political“, die Sie bei der Eröffnung des Hannah Arendt-Zentrums in Oldenburg hielten. In ihr plädierten Sie dafür, „to think with Arendt“, und über die Jahre haben Sie es so gehalten. Einen vorerst letzten Beweis erhielten wir in dem Podcast-Gespräch mit Roger Berkowitz, das Sie uns für unsere aktuelle Nummer zur Verfügung stellten. Mit Arendt weiterdenkend formulieren Sie hier den Gedanken: „Social isolation incubates personal solidarity“ und werfen diese originelle Beobachtung in die Diskussionen um die Corona-Pandemie. Wie die Pandemie oder, wie Sie bevorzugen, Seuche („plague“) sich entwickelt, wissen wir nicht. Vorstellbar aber ist, dass die Erfahrungen der „personal solidarity“ bei „social isolation“ als genuin neue erhalten bleiben und im Sinne des Arendtschen Politikbegriffs positive gesellschaftliche Veränderungen hervorbringen. Darauf haben Sie in dem Gespräch eindrucksvoll aufmerksam gemacht.

Wir danken Ihnen.

Die Redaktion von HannahArendt.net

Wolfgang Heuer, Frauke Kurbacher, Ursula Ludz, Stefania Maffeis, Ingeborg Nordmann, Maria Robaszkiewicz, Hans-Jörg Sigwart

und die ehemaligen Mitglieder

Marie Luise Knott, Waltraud Meints-Stender, Stefanie Rosenmüller, Thomas Wild

 
Veröffentlicht: 2021-06-28
 

PESCADORA de PERLAS, Revista de estudios arendtianos,no 1/2022

 

Dossier: Totalitarianism, authoritarianism and contemporary forms of domination

 
Veröffentlicht: 2021-06-23
 

New journal: PESCADORA de PERLAS, Revista de estudios arendtianos, Argentina

 

Con gran alegría queremos anunciar el lanzamiento de PESCADORA de PERLAS. Revista de estudios arendtianos, que se suma a las publicaciones del Centro de Investigaciones de la Facultad de Filosofía y Humanidades, Universidad Nacional de Córdoba, Argentina. Lxs invitamos a visitar la página web de la revista y a enviar contribuciones para el dossier temático del primer número: “Totalitarismo, autoritarismo y formas contemporáneas de dominación” coordinado por Anabella Di Pego y Claudia Bacci. Sugerimos también registrarse como lectorxs para recibir novedades sobre próximos números y convocatorias. 

Acceso a la página web de PESCADORA de PERLAS. Revista de estudios arendtianos:  https://revistas.unc.edu.ar/index.php/pescadoradeperlas/index

Pescadora de perlas es una publicación del Centro de Investigaciones de la Facultad de Filosofía y Humanidades de la Universidad Nacional de Córdoba que tiene como objetivo principal publicar ensayos, artículos académicos, traducciones y reseñas inspiradas en la obra de Hannah Arendt.

Busca ser un ámbito de debate y de intercambios sobre la vasta obra de esta autora, su legado y su repercusión; expandir su pensamiento y contribuir a las discusiones que sus ideas abren en el presente, sin limitar su filosofía a una única perspectiva interpretativa para no contradecir una nota sobresaliente de su posición teórica: la libertad de pensar sin asideros en el diálogo ininterrumpido que mantuvo con la tradición filosófica, política, literaria, histórica. 

El Comité Académico cuenta con la participación de reconocidxs investigadorxs del ámbito nacional e internacional:  Roger Berkowitz, Fina Birulés, Adriano Correia, André Duarte, Simona Forti, Yara Frateschi, Wolfgang Heuer, Claudia Hilb, Celso Lafer, Martine Leibovici, Carlos Longhini, Mayte Muñoz Sánchez, Francisco Naishtat, Eduardo Rinesi, Cristina Sánchez Muñoz y Sebastián Torres. 

En estos tiempos sombríos esperamos desde la revista contribuir al despliegue de las discusiones y legados de la obra de Hannah Arendt así como a la comprensión de las problemáticas políticas urgentes de nuestro presente. 

Les agradecemos la más amplia difusión posible de la presente convocatoria. 

Saludos cordiales,


Dirección 

Beatriz Porcel (Universidad Nacional de Rosario) 

 

Comité Editorial

Laura Arese (Universidad Nacional de Córdoba)

Claudia Bacci (Universidad de Buenos Aires)

Camila Cuello (Universidad Nacional de General Sarmiento)

Anabella Di Pego (Universidad Nacional de La Plata) 

Paula Hunziker (Universidad Nacional de Córdoba)

Eduardo Mattio (Universidad Nacional de Córdoba)

Carolina Rusca (Universidad Nacional de Córdoba)

Julia Smola (Universidad Nacional de General Sarmiento)


 
Veröffentlicht: 2021-06-23
 
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