Über Wahrheit und Lüge im politischen Sinn. Arendts Konzept der Meinungsbildung

Georg Zenkert

Abstract


Arendts Essay irritiert in Zeiten von Fake-News mit der These, dass der Anspruch aufWahrheit im Kontext der Politik abzuweisen sei. In der Tat leistet Arendt mit ihren Überlegungen einen Beitrag zur fälligen Rehabilitierung der Meinungen in ihrer praktischen, handlungsleitenden Funktion gerade durch die Abgrenzung von Meinungen gegenüber dem in politischen Verhältnissen unangemessen Anspruch auf unbedingte Wahrheit. Im Horizont von Meinungen erschließen sich die Möglichkeiten des Handelns. Vernunftwahrheiten erweisen sich dagegen auf dem Feld des Politischen, das sich für Arendt durch den Pluralismus der Meinungen konstituiert, als tyrannisch.Aus dieser Perspektive ergibt sich eine analytisch schärfere Diagnose der politischen Lüge, als es die auf Moral abgestellten Invektiven zu leisten vermögen. Lüge unterminiert,für alle Beteiligten, die Orientierungsfunktion der öffentlichen Meinung.
Arendt's essay irritates in times of fake news with the thesis that the claim to truth in the context of politics must be rejected. In fact, Arendt's reflections contribute to the due rehabilitation of opinions in their practical, action-guiding function precisely through the differentiation of opinions from the claim to absolute truth that is inappropriate in political circumstances. In the horizon of opinions the possibilities of action open up. In contrast, truths of reason prove to be tyrannical in the field of the political, which for Arendt is constituted by the pluralism of opinions.From this perspective, an analytically sharper diagnosis of the political lie emerges than the invectives based on morality can provide. Lies undermine, for all participants, the orientation function of public opinion.

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