Der russische Soziologe Victor Zaslavsky ist Hannah-Arendt-
Preisträger für politisches Denken 2008

Preisübergabe im Dezember im Bremer Rathaus

Sein 2007 in deutscher Erstausgabe erschienenes Werk „Das Massaker 
von Katyn“ hat die Jury überzeugt: Sie wählte jetzt den russischen 
Soziologen und Schriftsteller Victor Zaslavsky zum Hannah-Arendt-
Preisträger für politisches Denken 2008. „Zaslavskys schockierende 
Analyse des Massenmordes der sowjetischen Partei- und Staatsführung 
an tausenden polnischen Offizieren und Zivilisten im Jahre 1940 ist 
ein wichtiger Beitrag zum Verstehen der europäischen Geschichte. 
Zaslavsky richtet den Blick auf eines der größten Verbrechen gegen 
die Menschlichkeit während des Zweiten Weltkrieges und dessen 
jahrzehntelange Verschleierung durch die sowjetische Staatsführung. 
Die Jury würdigte insbesondere den Mut Zaslavskys, gegen das 
Schweigen anzugehen“, begründet Professorin Dr. Antonia Grunenberg, 
Vorstand des Hannah-Arendt-Preises für politisches Denken e.V., die 
Entscheidung der Jury. Der mit 7.500 Euro dotierte Preis, der von der 
Stadt Bremen und der Heinrich-Böll-Stiftung gestiftet worden ist, 
wird Victor Zaslavsky am 5. Dezember 2008 um 18 Uhr in der Oberen 
Rathaushalle des Bremer Rathauses im Rahmen einer Festveranstaltung 
überreicht.

Über das Buch
Beim Massaker im Wald bei Katyn (Russland) wurden 1940 mehr als 
25.700 Polen, überwiegend Offiziere und Intellektuelle, vom 
sowjetischen Geheimdienst NKWD per Genickschuss ermordet. Der 
Klassenmord fand zur Zeit des Hitler-

Stalin-Paktes statt: Nachdem deutsche Einheiten das Verbrechen 1943 
aufgedeckt hatten, wurde es von Hitlers Propaganda zunächst für den 
Krieg gegen Russland instrumentalisiert. Die sowjetische Führung 
unter Stalin wies das Verbrechen aber von sich und lastete es der 
deutschen Wehrmacht an.

Der Exilrusse Victor Zaslavsky wertet neue Quellenfunde aus ehemals 
sowjetischen Archiven aus. In seinem Werk „Klassensäuberung - Das 
Massaker von Katyn“ zeigt er, wie der Westen die sowjetische Lüge 
gedeckt hat: Um die stalinistischen Morde der Wehrmacht in die Schuhe 
zu schieben, unternahm die stalinistische Propaganda ein 
gigantisches, in der Geschichte beispielloses Fälschungs- und 
Täuschungsmanöver. Die westlichen Alliierten entschieden sich für die 
diplomatische Taktik des Schweigens, was für Polen bis heute 
unverständlich ist. „Bei den Morden von Katyn handelte es sich 
offensichtlich um eine Klassensäuberung, die auf die Vernichtung der 
polnischen Elite zielte“, so Antonia Grunenberg. Erst nach dem Ende 
des Kalten Krieges habe Moskau offiziell eingeräumt, dass die Morde 
von Katyn auf das Konto der Sowjets gegangen waren.

Unter Putin überwog wieder die Tendenz, vom offenen Umgang mit den 
historischen Fakten abzurücken und alles zu verschweigen, was einer 
neuerlichen Glorifizierung der sowjetischen Geschichte im Wege stehen 
könnte. „Noch Jahrzehnte nach den Massenmorden gibt es fast keine 
öffentliche Debatte über die Vorkommnisse im Zusammenhang mit dem 
Hitler-Stalin-Pakt. Das Schweigen lastet bis heute auf dem Verhältnis 
der Polen zu Europa und deren ohnehin schwierigen Beziehungen zu 
Russland“.

Über den Autor
Victor Zaslavsky wurde 1937 in Leningrad, dem heutigen St. 
Petersburg, geboren. Zehn Jahre arbeitete er als Ingenieur und lehrte 
anschließend Soziologie an der Universität Leningrad. Nachdem er 1975 
emigrierte, lehrte er an der University of California, der Stanford 
University sowie an den Universitäten von Florenz, Venedig, Bergamo 
und Neapel. Zurzeit ist er Professor für Politische Soziologie an der 
Free International University for Social Sciences, Luis Guido Carli, 
in Rom.

Weitere Informationen:
Bildungswerk Umwelt und Kultur in der Heinrich-Böll-Stiftung
Peter Rüdel, T: 0421 35 23 68, ruedel.boell@arcor.de
www.boell-bremen.deExternes Angebot
 
 
 
 
 
 
Revista Cult, Brasil
No 129, Outubro 2008

Dossiê
Arendt e o totalitarismo

Hannah Arendt: pensar e agir em tempos sombrios - Por André Duarte
Arendt e o totalitarismo - Por Newton Bignotto
Violência e banalidade do mal - Por Odílio Alves Aguiar
Tensão entre teoria e prática - Por Eduardo Jardim
A vitória da vida sobre a política - Por Adriano Correia

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edtCode=75154FE0-D262-4F79-AF60-08852BA9B15C
 
 
 
 


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